Trading vs. Unternehmensgründung: Ein Vergleich

09.09.2019 - 9 Minuten Lesezeit

75 % der Konten von Privatanlegern verlieren mit CFDs Geld. So oder so ähnlich ist es bei vielen CFD Brokern zu lesen. Generell gilt aktives Trading in Kreisen der gelebten Vernunft als höchstriskantes Unterfangen. Dies ist jedoch eine Frage der Perspektive. Trading ist nicht so sicher wie ein Beamtenstatus, aber weniger riskant als eine Unternehmensgründung.

Sollte ich ein Unternehmen gründen oder Trader werden? Ist für die Antwort auf diese Frage ausschließlich das Risiko des Scheiterns maßgeblich, spricht eigentlich alles für Trading. 80 % aller Startups scheitern in den ersten fünf Jahren nach der Gründung. Und auch danach sieht es nicht viel besser aus: Von den wenigen Firmen, die die ersten fünf Jahre überleben, geben noch einmal 80 % in den folgenden fünf Jahren auf. Von 100 neuen Unternehmen überleben somit gerade einmal vier Prozent die ersten zehn Jahre. Wenn im Vergleich dazu jeder vierte Privatkunde im bereits recht komplexen CFD Trading Geld verdient, ist dies ein hoher Wert.

Viele Gründer-Risiken gibt es für Trader nicht

Doch nicht nur die Statistik spricht für Trading, sondern auch ein Blick in die Praxis. Unternehmen scheitern häufig aus Gründen, die sich kaum beeinflussen lassen. Dazu zählen z. B. Zahlungsausfälle wichtiger Kunden, ein schwaches konjunkturelles Umfeld, langwierige Rechtsstreitigkeiten um Marken und Patente, der Ausstieg eines Gründers etc.

Diese häufigen KO-Ereignisse spielen für Trader keine Rolle. Trader müssen keine Zahlungsausfälle fürchten. Selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz des Brokers sollten die meisten Einlagen geschützt sein. Die Konjunktur spielt im Trading ebenfalls keine Rolle – Gewinne lassen sich bei steigenden Kursen genauso erwirtschaften wie in fallenden Märkten. Trader bewegen sich zudem in einem rechtlich abgesicherten Raum und sind nicht von Dritten abhängig.

Trader können ihr Risiko besser kontrollieren

Risiken wie Zahlungsausfälle und der Ausstieg eines Gründers sind unsystematische Risiken, die sich kaum steuern lassen. Trader sehen sich in ihrem „operativen Geschäft“ natürlich ebenfalls Risiken ausgesetzt. Jeder einzelne Trade kann verloren gehen. Der entscheidende Unterschied: Diese Risiken lassen sich sehr gut kontrollieren. Durch eine zum Konto passende Positionsgrößenbestimmung und enge Stop Loss Orders kann der maximale Verlust in jedem Trade auf ein verträgliches Maß begrenzt werden. Selbst eine statistisch betrachtet lange Verlustserie führt dann nicht zum KO.

Trader können zudem Situationen definieren, in denen nicht gehandelt wird. Dies können zum Beispiel Handelstage mit sehr starken Schwankungen oder Zeitspannen vor der Veröffentlichung wichtiger News sein.

Welche Risiken gibt es für Trader?

Es gibt einige Risiken, die auf Trader und Unternehmensgründer gleichermaßen zu treffen. Eine der Hauptursachen für scheiternde Gründungen ist eine mangelnde Kapitalausstattung. Das Risiko einer zu geringen Kapitalausstattung betrifft potenziell auch Trader.

Generell sind die Anforderungen an das anfängliche Eigenkapital nicht unerschwinglich. 5-10.000 EUR können für den Handel mit CFDs ausreichen. Viel weniger sollte es jedoch nicht sein. Ansonsten lassen sich bei kostengünstigen Brokern nicht immer sinnvolle Positionsgrößen umsetzen. Dies liegt daran, dass nicht alle Kontrakte beliebig skalierbar sind. Für CFDs auf DAX oder Dow Jones können bei manchen Brokern Sicherheitsleistungen im mittleren und oberen dreistelligen Bereich erforderlich sein. Bei einem zu kleinen Konto stellt dies eine zu große Positionsgröße dar.

Erfolgreiche Trader handeln stets mit einer klar festgelegten Strategie. Ohne Strategie wird das Unternehmen Trading mit nahezu 100%-iger Wahrscheinlichkeit ein Misserfolg. Dabei ist auch mit Strategie Erfolg nicht garantiert. Eine Strategie könnte sich als dysfunktional erweisen. Hierin besteht ein Risiko. Dieses Risiko besteht auch dann, wenn eine Strategie vor dem Praxiseinsatz mit umfangreichen Backtests getestet und als erfolgreich eingestuft wurde.

Ein Risiko für Trader stellen deshalb analytische Fehler bei Backtests dar. So ist etwa denkbar, dass eine Strategie in übergeordneten Aufwärtstrends Erfolg verspricht, in anderen Trendsituationen jedoch dauerhaft Verluste produziert. Dann hat sich ein Backtest womöglich nicht auf eine ausreichend lange Zeitspanne bezogen.

Ein weiterer potentieller analytischer Fehler im Zusammenhang mit Backtests betrifft die Überoptimierung. Werden Parameter rückblickend immer detaillierter eingestellt, weist die getestete Strategie möglicherweise ein sehr gutes Ergebnis auf. Dieses lässt sich jedoch nicht in die Zukunft projizieren.

Das größte Risiko für Trader ist die Psychologie. In Stresssituationen, nach einer längeren Verlustserie oder aus anderen Gründen könnten Trader versucht sein, von ihrer Strategie abzuweichen. Dies ist fast immer der Weg in den Abgrund. Dieses Risiko lässt sich jedoch mit geeigneter Disziplin vollständig kontrollieren.

Letztlich gibt es für Trader einige Restrisiken, die nie gänzlich ausgeschlossen sind und die zu einem vollständigen Verlust des Kapitals führen können. So kann es unter extremen Marktbedingungen dazu kommen, dass eine Stop Loss Order nur sehr weit entfernt vom gewünschten Kurs ausgeführt werden kann. Im schlimmsten Fall ist dann das gesamte Geld auf einem CFD Handelskonto oder auf einem Magtin Konto bei einem Eurex Broker verloren. Wer bei einem CFD Offshorebroker handelt, riskiert sogar Nachschusspflichten. Diese sind in Europa mittlerweile ausgeschlossen.

Auch eine Pleite des Brokers zählt zu den geringen, aber prinzipiell denkbar Risiken für Trader. Broker verwahren die Gelder Ihrer Kunden auf segregierten Konten bei lizenzierten Banken. Diese Gelder sind so lange nicht in Gefahr bzw. durch eine Einlagensicherung geschützt, wie Sie auf diesen Konten nur lagern und nicht in CFD Positionen gebunden sind. CFD Positionen sind jedoch Forderungen gegen den Broker. Diese sind im Insolvenzfall nicht zwingend durch ein Entschädigungssystem abgesichert.

Gescheiterte Trader fallen nicht so tief wie gescheiterte Gründer

Was, wenn das Unternehmen schief geht? Die Konsequenzen eines Scheiterns sind für Unternehmensgründer in der Regel sehr viel größer als für Trader. Gründer müssen sich eine neue Beschäftigung suchen, häufig mit übrig gebliebenen Verbindlichkeiten leben und zudem ihrem Umfeld gegenüber begründen, warum das Vorhaben gescheitert ist. Daraus resultiert nicht selten eine längere berufliche Durststrecke, verbunden mit finanziellen Einbußen und dem Empfinden einer persönlichen Niederlage.

Wenn Trader scheitern, sind die Konsequenzen meistens geringer. Die wenigsten Trader werden ihren Hauptberuf sofort aufgeben und sich ausschließlich dem aktiven Handel widmen. Verlauf das Unternehmen Trading im Sande, kann die Haupterwerbsquelle unverändert weiter ausgeübt werden. Wird ausschließlich mit Eigenkapital gehandelt, müssen zudem keine Verbindlichkeiten beglichen werden. Das Scheitern eines Traders hat schon formal weniger einprägsame Konsequenzen als das Scheitern eines Unternehmens. Trader kündigen ein Konto, gescheiterte Gründer müssen gegebenenfalls Insolvenz anmelden, die Firma aus dem Handelsregister löschen und mit einem Vermerk bei Auskunfteien rechnen.

Der 2. Versuch ist für Trader einfacher

Nach dem Scheitern ist vor dem 2. Versuch. Der zweite Versuch ist für Trader sehr viel einfacher als für gescheiterte Unternehmer. Wer im ersten Versuch gescheitert ist, hat im besten Fall viel gelernt und kann das erworbene Wissen im zweiten Anlauf nutzen. Dies gilt grundsätzlich auch für gescheiterte Unternehmer. Diese sehen sich jedoch vor dem zweiten Anlauf größeren Hürden gegenüber. Diese betreffen die Kapitalbeschaffung, die Bonität, die persönliche Lebenssituation etc.

Trading im Nebenberuf ist dauerhaft möglich

Wer ein Unternehmen gründet, muss es früher oder später in Vollzeit führen. Trading ist dagegen auch im Nebenberuf dauerhaft möglich. Viele Tradingstrategien lassen sich mit weniger als 60 Minuten Aufwand pro Tag ohne Professionalitätsverlust umsetzen. Dieser Aufwand ist auch im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses möglich. Trader stehen somit nicht vor der Herausforderung, sich zwischen dem gewohnten Vollzeitjob und ihrer neuen Aktivität zu entscheiden. Beides ist parallel möglich.

Das Unternehmen Trading: Wie starten?

Wer bei null beginnend mit dem Trading starten möchte, sollte nicht sofort Geld auf ein Konto einzahlen und den ersten Trade platzieren. Es gilt, zunächst Grundlagenwissen zu erwerben, eine Strategie zu wählen und auf dem Papier zu üben.

Know-How aufbauen

Das nötige Grundlagenwissen können Trader im Selbststudium erwerben. Teure Kurse im Preisbereich von 5-10.000 EUR bringen allenfalls einen begrenzten Mehrwert für den, der den Preis zahlt. Bücher eignen sich zum Selbststudium genauso wie Grundlagen-Webinare. Letztere werden durch zahlreiche Broker kostenlos angeboten. Hilfreich kann auch die Mitgliedschaft in der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) sein. Diese betreibt diverse Regionalgruppen in ganz Deutschland. Dort gibt es regelmäßig Informationsabende mit Vorträgen zu konkreten Themen. Außerdem lassen sich mit den Regionalgruppen interessante Netzwerke aufbauen.

Praxiserfahrung auf dem Papier sammeln

Theorie allein reicht nicht. Trader sollten deshalb Praxiserfahrung sammeln. Für den Anfang eignet sich dafür ein Demokonto am besten. Hier ist es wichtig, ein möglichst realistisches Demokonto auszuwählen. Dort sollten Einsteiger mindestens drei Monate lang jeden Tag handeln.

Handelsstrategie entwickeln oder übernehmen

Ohne Handelsstrategie geht nichts. Trader können eine Handelsstrategie wahlweise in Eigenregie entwickeln oder eine fertige Strategie übernehmen bzw. anpassen. Beide Varianten versprechen grundsätzlich Erfolg. Die Strategie sollte über einen langen Zeitraum (rückwirkend) getestet werden und in allen Marktlagen Gewinne versprechen. Außerdem sollte die Strategie nicht kompliziert sein. Für Einsteiger eignen sich zum Beispiel Trendfolge-, Ausbruch- und Swingstrategien gut.

Mit kleinem Konto den „Proof-of-Work“ starten

Wurde die Strategie auf einem Demokonto getestet, erfolgt nun der nächste Schritt auf dem Echtgeldkonto. Dort wird zunächst ein kleinerer Betrag eingezahlt, um die Strategie für zumindest einen Monat live zu testen. Entsprechen die Ergebnisse denen auf dem Demokonto, kann es losgehen. Der nächste Schritt besteht darin, das Konto in seiner geplanten Gesamtgröße zu kapitalisieren.

Mit 100 % Eigenkapital beim richtigen Broker starten

Trader sollten mit 100 % Eigenkapital starten und sich für ihr Unternehmen nicht verschulden. Dies ist nicht nur für den Fall wichtig, dass das Unternehmen misslingt. Wer mit geliehenem Geld handelt, steht unter einem größeren mentalen Druck. Dies kann die Ergebnisse verschlechtern.

So wie Unternehmen sich stets der besten Werkzeuge bedienen sollten, sollten auch Trader stets bei einem erstklassigen Broker handeln. Die Handelskosten sollten niedrig, das Marktmodell transparent und die Handelsplattform professionell sein.

Konsequente Verlustbegrenzung von Anfang an

Die Grundregeln erfolgreicher Trader müssen ab dem ersten Trade berücksichtigt werden. Dazu gehört insbesondere eine konsequente Verlustbegrenzung bei jedem einzelnen Trade.

Weiterbilden mit Coachings und Co.

Lebenslanges Lernen ist auch für Trader ein Muss. Wer die anfangs erworbenen Grundlagen vertieft hat, kann auf spezielle Coachings zum Beispiel zu psychologischen Aspekten zurückgreifen.



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