Regulierung extrem - Werden nun auch bald Krypto CFD verboten?

19.07.2019 - 8 Minuten Lesezeit

Viele Anleger und Trader staunten nicht schlecht, als die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA Anfang des Monats eine Pressemitteilung veröffentlichte, aus der hervorgeht, dass die FCA über ein Verbot von Krypto Derivaten nachdenkt. Man muss davon ausgehen, dass auch die anderen europäischen Länder in einem solchen Fall nachziehen werden. Wird es daher in Zukunft zum Beispiel nicht mehr möglich sein, mit Bitcoin CFD zu handeln? Dieser Frage werden wir im folgenden Artikel nachgehen. Außerdem werden wir generell auf die „Regulierungswut“ der europäischen Finanzaufsichtsbehörde eingehen: Diese hatte sich ja bereits bei der Begrenzung der Hebel beim Forex und CFD Handel offenbart. Es wird sich zeigen, dass die Motive für diese Regulierungen teilweise von höchst zweifelhafter Natur sind.

FCA denkt über ein Verbot von Crypto Derivaten nach

Mittlerweile ist man ja durch den Brexit allerlei kuriose Nachrichten aus Großbritannien gewohnt. Als die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA (Financial Conduct Authority) jedoch am 3. Juli 2019 eine Pressemitteilung veröffentlichte, rieben sich viele Anleger und Trader zunächst ungläubig die Augen. Denn die FCA behaupte darin ernsthaft, dass Krypto Derivate eine Gefahr für die britische Gesellschaft darstellen würden. Zu den Derivaten zählt die Behörde dabei Differenzkontrakte (CFD), Optionen, Termingeschäfte und Inhaberschuldverschreibungen (ETN). Nach Meinung der FCA seien diese Finanzinstrumente zu komplex und könnten von Privatanlegern nicht verstanden werden. Daher erwägt die Behörde ein Verbot von Crypto Derivaten für Privatanleger. Damit wäre es britischen und ausländischen Brokern untersagt, künftig solche Produkte für private Trader anzubieten.

Regulierungswut der europäischen Finanzaufsichtsbehörden

Insgesamt fühlt man sich durch dieses Vorgehen und die vorgebrachte Argumentation der FCA in das Jahr 2018 zurückversetzt. So hatte die europäische Regulierungsbehörde ESMA (European Securities and Markets Authority) im vergangenen Jahr beschlossen, dass Kleinanleger (retail clients) in Zukunft stärker geschützt werden müssten. Dies sollte vor allem durch eine Begrenzung der maximalen Hebel beim Forex und CFD Handel erreicht werden. Mittlerweile wurden diese Regelungen von allen europäischen Brokern umgesetzt, weshalb man heutzutage bei fast allen Anbietern die folgenden Hebel vorfindet:

  • Forex (Währungen): 1 : 30
  • Aktienindizes: 1: 20
  • Einzelne Aktien: 1: 5
  • Rohstoffe 1 : 10
  • Kryptowährungen 1 : 2

Der Hebel bestimmt dabei beim Forex und CFD Trading darüber, über wie viel Kapital man tatsächlich auf seinem Trading Account verfügen muss, um mit einem bestimmten Finanzinstrument zu handeln. Dazu ein Beispiel: Notiert der DAX bei 12.000 Punkten, so benötigt man Dank des Hebels (1 : 20) nicht 12.000 €, um mit dem deutschen Leitindex als CFD zu handeln. Vielmehr sind bereits 600 € auf dem Handelskonto ausreichend.

Wie man sieht, wurde der Hebel bei Kryptowährungen bereits sehr stark „eingedampft“ (1 : 2). Daher ist es unverständlich, dass die FCA hier noch weiteren Handlungsbedarf sieht.

Niedrige Hebel gelten nur für retail Clients - Alternative professional Client ?

Die genannten Regelungen für die Begrenzung des Hebels gelten dabei, wie gesagt, nur für Kleinanleger. Für „professionelle Kunden“ sind dagegen nach wie vor sehr hohe Hebel möglich (zum Beispiel 1 : 200 oder 1 : 400). Die entscheidende Frage lautet dabei allerdings, wie man sich bei einem Forex oder CFD Broker als „professioneller Kunde“ einstufen lassen kann. Auch hierfür gelten klare Vorgaben seitens der EU. So muss man mindestens zwei der nachfolgend genannten drei Voraussetzungen erfüllen:

  • Man muss eine bestimmte Anzahl an Trades mit Hebelprodukten getätigt haben.
  • Es ist ein Trading Kapital in Höhe von 500.000 € erforderlich.
  • Man hat für mindestens ein Jahr in einer verantwortlichen Position in der Finanzindustrie gearbeitet.

Bereits auf den ersten Blick wird klar, dass man die erste Voraussetzung in der Regel sehr einfach erfüllen kann. Schwierig wird es hingegen, eine der beiden weiteren Anforderungen zu erfüllen.

Allerdings gilt dies in vielen Fällen nur auf dem Papier: So soll es schon des Öfteren zu folgender Situation gekommen sein. Um die dritte Voraussetzung zu erfüllen, genügt es bei vielen Brokern, den Auszug aus seinem Lebenslauf oder aus seinem Xing bzw. Linked In Profil an den Anbieter zu senden. Überprüft werden die Angaben dabei in der Regel nicht. Denn der Broker hat den EU Regelungen bereits damit Genüge getan, dass er die entsprechenden Angaben von seinen Kunden eingefordert hat.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass es seit der Einführung der ESMA Vorgaben zu einem sprunghaften Anstieg von Tradern gekommen ist, die für mindestens ein Jahr in einer verantwortlichen Position in der Finanzindustrie gearbeitet haben…

Man muss davon ausgehen, dass diese Situation auch den Behörden bekannt ist. Allerdings reicht es diesen anscheinend aus, dass sie ganz offiziell behaupten können, dass sie den Schutz der Kleinanleger hochhalten.

Kleinanleger werden dazu gedrängt, sich als „Professionelle Kunden“ einstufen zu lassen

Was die europäische Regulierungsbehörde jedoch in Wirklichkeit erreicht, ist, dass viele Kleinanleger dazu gedrängt werden, sich als professioneller Kunde einstufen zu lassen. Häufig bringt dies nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile mit sich: So entfällt zum Beispiel bei vielen Brokern (nicht bei allen!) der Schutz vor der Nachschusspflicht. In der Realität führen die EU Regelungen daher gerade dazu, dass viele Kleinanleger weniger stark geschützt werden.

Insgesamt steht zu befürchten, dass sich die Situation im Hinblick auf die Kryptowährungen wiederholen wird: Der Politik geht es in erster Linie darum, Aktionismus zu demonstrieren. Da man in Europa generell ein schwieriges Verhältnis zu den Finanzmärkten hat, kommen diese populistischen Maßnahmen leider bei einem Großteil der Bevölkerung gut an.

Sollte daher tatsächlich der Handel mit Crypto Derivaten in der Europäischen Union verboten werden, so wird aller Voraussicht nach auch die Anzahl der „professionellen Kunden“ weiter zunehmen.

Mögliche Lösung aus Polen: „Erfahrene Händler“

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Vorgehen der polnischen Finanzaufsichtsbehörde. So hört man im Moment, dass diese eine neue Kategorie von Kunden einführen möchten. Diese soll eine Brücke zwischen den Kleinanlegern und den professionellen Kunden schaffen. Als Name kursiert dabei die Bezeichnung „Erfahrene Händler“. Welche Voraussetzungen man als Trader vorweisen muss, um als solcher Händler eingestuft zu werden, ist noch offen. In jedem Fall dürfen die Hürden im Vergleich zu den „professionellen Kunden“ geringer sein.

Insgesamt scheint dies ein Schritt in die richtige Richtung darzustellen. Denn auf diese Weise kann man zum Beispiel völlig unbedarfte Kleinanleger wirklich davor schützen, mit Finanzinstrumenten oder Hebeln zu handeln, von denen sie nichts verstehen. Jedoch muss es auch eine Möglichkeit geben, erfahrene Trader nicht zu bevormunden.

Es wird daher interessant sein, zu beobachten, ob sich die polnische Finanzaufsichtsbehörde mit ihrem Vorschlag durchsetzen kann. Als Trader kann man dies nur hoffen, denn ansonsten bleibt auch weiterhin nur die „Notlösung“, sich als „professioneller Kunde“ einstufen zu lassen. Wer dabei bisher noch auf der Suche nach einem guten Forex oder CFD Broker ist, kann auch unseren umfangreichen Broker Vergleich nutzen.

Angst der Politik vor Facebooks Kryptowährung Libra

Wie gesagt, handelt es sich bei den Regelungen und Vorschlägen der ESMA und der FCA in erster Linie um populistische Maßnahmen. Dies zeigt allerdings auch die Nervosität, welche momentan in der Politik vorherrscht: Insbesondere, seit Facebook angekündigt hat, seine eigene Kryptowährung „Libra“ zu starten, befürchtet man, dass sich das Finanzsystem in Zukunft stark verändern wird.

Die Politik verfolgt allerdings mit ihren Regulierungen und Einschränkungen einen völlig falschen Ansatz. Denn eigentlich müsste man in Europa alles daran setzen, auch selbst erfolgreiche Technologie Unternehmen wie Facebook, Amazon, Google und Microsoft entstehen zu lassen. Denn auf diese Weise könnte man den Wohlstand der europäischen Gesellschaften auch für die Zukunft sicherstellen. Stattdessen begnügt man sich allerdings damit, Kryptowährungen zu verteufeln und wie im Falle der FCA die Gesellschaft dadurch bedroht zu sehen.

Die wirklichen Herausforderungen, wie zum Beispiel eine immer stärker werdende Konkurrenz aus China, werden dagegen schlicht ignoriert. Insgesamt kann man dabei beobachten, dass man sich in Europa immer noch allzu sehr auf den Leistungen und Erfolgen der Vergangenheit ausruht. Man hat den Eindruck, dass viele Politiker schlicht hoffen, dass in Zukunft einfach alles so weitergehen wird, wie bisher.

Lassen Sie sich bitte nicht verrückt machen!

Allerdings sollte man sich als Trader durch die aktuellen politischen Geschehnisse nicht allzu sehr verrückt machen lassen. Denn selbst wenn die nächste Wirtschaftskrise kommt, wird man als Trader weiterhin gutes Geld an der Börse verdienen können. Denn bekanntermaßen kann man beim Trading nicht nur Long (kaufen), sondern auch Short (verkaufen) gehen. Häufig bieten sich sogar die lukrativsten Trading Gelegenheiten, wenn es der Wirtschaft nicht gut geht und wenn es daher zu starken Kursschwankungen kommt. Anders, als man daher zunächst erwarten würde, handelt es sich beim Beruf des Traders um eine relativ krisensichere Arbeit.

Wer bisher noch nicht getradet hat, kann dies auf einem kostenlosen Demokonto bei einem Forex oder CFD Broker ausprobieren. Auf einem solchen Konto handelt man nicht mit echtem, sondern mit virtuellem Kapital und kann auf diese Weise den Börsenhandel ohne Risiko kennen lernen. Meistens steht einem hierfür ein virtuelles Guthaben in Höhe von 10.000 € zur Verfügung, um das Trading zu trainieren. Außerdem erhält man auf dem Demokonto die Gelegenheit, die Trading Plattform ausgiebig zu testen und um verschiedene Strategien auszuprobieren. Dabei ist es empfehlenswert, auch die Schulungsangebote der Broker zu nutzen, um sein Wissen in Bezug auf das Trading zu erweitern. Hilfreich sind dabei unserer Erfahrung nach zum Beispiel Webinare, Trading Videos und Ratgeber Artikel. Um einen guten Broker zu finden, kann man, wie bereits angesprochen, unseren umfangreichen Broker Vergleich nutzen.

Über den Autor

Christian Habeck

Christian Habeck

Nachdem Christian Habeck jahrelang an der Börse handelte, entschied er sich im Laufe der Zeit, das angeeignete Wissen mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Als Autor deckt er sämtliche Themen aus dem Finanzbereich und der Wirtschaft ab.

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