Kann die Fed die Wiederwahl von Donald Trump stoppen?

03.09.2019 - 8 Minuten Lesezeit

In der vergangenen Woche sorgte der ehemalige Chef der regionalen Notenbank Fed New York mit einem Interview für Aufsehen: So forderte Bill Dudley seine Kollegen bei der Fed auf, die Zinsen nicht weiter zu senken, um damit die Wiederwahl von Donald Trump im Jahr 2020 zu verhindern. Da sich Notenbanker ansonsten mit politischen Aussagen eher zurückhalten, war dieses Statement von Dudley sehr ungewöhnlich. Im Folgenden werden wir uns daher genauer mit der Frage befassen, ob die Fed tatsächlich die Möglichkeit hätte, die Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern. Dabei werden wir auch beleuchten, welche Konsequenzen dies für den Anleger bzw. Trader hätte.

„It’s the economy, stupid!”

Bereits Bill Clinton wusste, dass es den amerikanischen Wählern vor allem darauf ankommt, dass es der Wirtschaft gut geht. So ließ er im Jahr 1992 den mittlerweile berühmten Spruch „It’s the economy, stupid!” plakatieren. Bekanntermaßen gewann Clinton damals gegen den Amtsinhaber George Bush (senior) die Präsidentschaftswahl, obwohl dieser ein Jahr zuvor durch den (ersten) Irakkrieg noch Zustimmungswerte von über 90 % hatte.

Auch für Donald Trumps Wiederwahl dürfte es daher entscheidend sein, wie es um den Zustand der US Wirtschaft bestellt ist. Mit Sicherheit weiß dies auch der amerikanische Präsident. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er in den letzten Wochen und Monaten wiederholt die (zögerliche) Zinspolitik derFed scharf kritisiert hat. Für das bessere Verständnis werden wir uns im Folgenden etwas genauer mit der Rolle der Fed beschäftigen.

Die Aufgaben der amerikanischen Fed

Die Federal Reserve (kurz „Fed“) ist die Notenbank der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie ist damit vergleichbar mit der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Fed hat dabei vor allem zwei Hauptaufgaben: Zum einen soll sie dafür sorgen, dass die Preise stabil bleiben. Es soll daher vermieden werden, dass die Inflation zu stark ansteigt. Zum anderen ist es auch eine Aufgabe der Fed, für Vollbeschäftigung zu sorgen.

Interessant ist dabei die Frage, welche Mittel der Fed für die Erfüllung dieser beiden Aufgaben zur Verfügung stehen. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang der Leitzinssatz. So bestimmt dieser darüber, wie teuer bzw. billig es ist, Kredite aufzunehmen. Dies werden wir anhand eines ausführlichen Beispiels erläutern.

Die Möglichkeiten der Fed, um Vollbeschäftigung zu erreichen

Angenommen, die USA befinden sich in einer Rezession. Der Wirtschaft geht es daher schlecht und es werden von den Unternehmen auch mehr und mehr Arbeitsplätze gestrichen. In diesem Fall würde die Fed versuchen, Maßnahmen zu ergreifen, um der zunehmenden Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Denn schließlich lautet ja ihr Ziel, Vollbeschäftigung zu erreichen.

Eine Möglichkeit, um diesem Ziel näher zu kommen, wäre es, den Leitzinssatz zu senken. Denn in diesem Fall wird es für Unternehmen und Verbraucher leichter, sich zu verschulden. So laden kleinere Zinsen zum Beispiel dazu ein, vermehrt Konsumgüter auf Raten zu kaufen. Aber ein niedriger Leitzinssatz führt zum Beispiel auch dazu, dass die Finanzierung einer Immobilie für viele Menschen erschwinglicher wird. Dies hat dann wiederum zur Konsequenz, dass die Bauindustrie mehr Aufträge erhält. Um diese zu bewältigen, ist es wiederum erforderlich, neue Mitarbeiter einzustellen. Dies wirkt sich wiederum positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Wie man sieht, kann sich daher eine Senkung des Leitzinses stark auf die Wirtschaft auswirken.

Allerdings besteht bei dieser Vorgehensweise auch eine Gefahr: Je besser es der Wirtschaft geht, desto mehr Geld steht in der Regel auch der Bevölkerung zur Verfügung (im Durchschnitt). Damit werden beispielsweise immer mehr Konsumgüter und Immobilien gekauft. Diese gesteigerte Nachfrage wird normalerweise dazu führen, dass die Preise ansteigen. Hierdurch gerät dann aber das andere Ziel der Fed, die Preisniveaustabilität, in Gefahr. Über kurz oder lang wird die Fed daher darüber nachdenken müssen, den Leitzinssatz wieder zu erhöhen.

Die aktuelle Lage der US Wirtschaft

Betrachtet man sich die aktuelle Lage der US Wirtschaft, so stellt man fest, dass die Situation sich mehr und mehr eintrübt. Dies hat nicht zuletzt auch mit der Politik des amerikanischen Präsidenten zu tun. Denn dieser hat den Welthandel mit seinen Strafzöllen in eine große Krise gestürzt. Die Folge davon sind sinkende Umsätze, auch bei den amerikanischen Unternehmen. Dadurch sind viele Unternehmen gezwungen, Investitionen zurückzufahren und Arbeitsstellen zu streichen. Damit haben wir genau die oben beschriebene Situation. Aus diesem Grund hat die Fed auch Ende Juli 2019 den Leitzinssatz um 0,25 Prozentpunkte gesenkt, um damit die Wirtschaft zu stimulieren.

Damit stellt sich die Situation im Moment folgendermaßen dar: Donald Trump schadet mit seiner Politik der amerikanischen Wirtschaft. Die Fed muss daher versuchen, diesen Schaden zu begrenzen, um ihr Ziel der Vollbeschäftigung, nicht zu gefährden.

Wie eingangs erwähnt, fordert der Ex Chef der regionalen Fed New York die Fed auf Bundesebene dazu auf, genau auf diese Maßnahmen in Zukunft zu verzichten. Denn dann könnte sich Donald Trump nicht mehr darauf verlassen, dass die Folgen seiner Politik durch die Fed „ausgebügelt“ werden. Eine schlechte Wirtschaftslage würde dann wahrscheinlich im Endeffekt dazu führen, dass Trump bei der nächsten Präsidentschaftswahl nicht wiedergewählt würde. Die Hoffnung wäre dann, dass sich ein neuer Präsident in Zukunft klüger Verhalten wird.

Wie realistisch ist es, dass sich die Fed dem amerikanischen Präsidenten widersetzt?

Allerdings sollte man bei diesem Gedankenspiel nicht vergessen, dass es sich bei Donald Trump um einen sehr gerissenen Menschen handelt. Bereits als Geschäftsmann agierte er geradezu brutal und ohne Rücksicht auf Verluste. Er wird daher aller Voraussicht nach alle Hebel in Bewegung setzen, um sich seine Wiederwahl zu sichern. Dazu sollte man auch wissen, dass er derjenige war, der den aktuellen Chef der Fed Jay Powell ausgewählt hat. Powell agiert zwar etwas unabhängiger, als viele Beobachter - und wahrscheinlich auch Donald Trump - es erwartet haben. Trotzdem hat sich durch die erfolgte Zinssenkung gezeigt, dass Powell im Prinzip doch so handelt, wie der Präsident es sich wünscht.

Überhaupt wäre es für Powell schwierig, sich in dieser Situation anders zu verhalten. Denn die Fed hat nur die beiden Ziele Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität. Es ist hingegen kein Ziel, dabei behilflich zu sein, unliebsame Präsidenten aus dem Amt zu drängen.

Aus diesem Grund ist es daher wahrscheinlich, dass die Fed auch in Zukunft die Zinsen weiter senken wird, um damit die Wirtschaft anzukurbeln. Dies wird im Endeffekt Donald Trump dabei helfen, im nächsten Jahr als amerikanischer Präsident wiedergewählt zu werden.

Konsequenzen für den Anleger und Trader

Damit stellt sich die Frage, was die zu erwartenden Zinssenkungen für den Anleger und Trader bedeuten werden. Dabei können wir nochmals auf das obige Beispiel zurückgreifen: So führen Zinssenkungen nicht nur dazu, dass mehr konsumiert wird und weitere Immobilien gekauft werden. Vielmehr fließt ein Großteil des „billigen Geldes“ erfahrungsgemäß auch an die Aktienmärkte. Bereits in den letzten Jahren konnte man beobachten, zu was für einer Kursrallye dies bei den amerikanischen Indices S&P 500, Dow Jones und Nasdaq geführt hat.

Sollte die Fed daher die Zinsen weiter absenken, wird dies tendenziell zu steigenden Kursen an den Aktienmärkten führen. Insgesamt kann man sich daher als Anleger und Trader auf sinkende Zinsen freuen.

Außerdem sollte man folgendes Szenario vor Augen haben: Es ist nicht ausgeschlossen, dass Donald Trump mit Absicht versuchen wird, durch seine Politik die US Wirtschaft weiter zu schwächen. So kann er zum Beispiel ohne weiteres den Handelsstreit mit China und dem Rest der Welt weiter eskalieren lassen. Im Endeffekt würde er die Fed mit diesem Verhalten dazu zwingen, die Zinsen noch stärker abzusenken. Dies würde die Wirtschaft dann im Endeffekt so stark ankurbeln, dass Trumps Chancen auf eine Wiederwahl sprunghaft ansteigen würden.

Insgesamt findet man sich als Anleger und Trader in einer gewissen Zwickmühle: So stoßen die Politik und das Verhalten von Donald Trump bei vielen Menschen zu Recht auf Unverständnis und Ablehnung. Trotzdem kann gerade die Tatsache, dass Trump Präsident ist, dazu führen, dass die Kurse an den Aktienmärkten weiter ansteigen werden.

An den kommenden Kurssteigerungen partizipieren

Im Endeffekt lautet daher das wahrscheinlichste Szenario, dass es aufgrund der zu erwartenden Zinssenkungen zu starken Kursanstiegen an den Börsen kommen wird. Um zum Beispiel mit dem Dow Jones Index zu handeln, bietet es sich an, bei einem CFD Broker ein kostenloses Demokonto zu eröffnen. Bereits auf so einem Demokonto erhält man in der Regel Echtzeitkurse zur Verfügung gestellt. Damit lässt sich das Trading erfahrungsgemäß relativ realitätsnah simulieren. Allerdings findet der Handel auf einem solchen Konto nicht mit echtem Geld statt. Vielmehr handelt man darauf mit virtuellem Kapital und kann auf diese Weise den Börsenhandel ohne Risiko kennen lernen. Viele Broker stellen einem dafür zum Beispiel 10.000 oder 100.000 € als virtuelles Guthaben zur Verfügung.

Wer möchte, kann dabei auch mit dem DAX handeln. Denn Kursanstiege an den amerikanischen Börsen führen in der Regel auch dazu, dass der deutsche Leitindex ansteigt. Allerdings kann dies erfahrungsgemäß auch erst mit einer gewissen Verzögerung auftreten. Wer bisher noch nicht getradet hat, kann bei vielen Brokern auch hilfreiche Schulungsangebote nutzen, um den Handel mit CFD zu erlernen. Besonders gut eignen sich hierfür unserer Erfahrung nach Videos und Webinare. Denn dadurch kann man erfahrenen Tradern dabei zuschauen, wie diese die Märkte analysieren und profitable Strategien handeln. Sobald man sich dann beim Handel auf dem Demokonto sicher fühlt, kann man das Trading auf einem Live Konto mit echtem Geld fortsetzen. Um einen guten Broker zu finden, kann man zum Beispiel auch unseren großen Broker Vergleich nutzen.

Über den Autor

Christian Habeck

Christian Habeck

Nachdem Christian Habeck jahrelang an der Börse handelte, entschied er sich im Laufe der Zeit, das angeeignete Wissen mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Als Autor deckt er sämtliche Themen aus dem Finanzbereich und der Wirtschaft ab.

Kommentieren

(wird nicht angezeigt, Sie erhalten aber eine Bestätigungsmail auf diese E-Mail-Adresse, welche Voraussetzung für eine Freischaltung ist)

Anhang (max. 5 MB): (Dateiendungen: jpg, png, gif, pdf)
Wird geladen...